|
|
Willkommen
auf meiner Internetseite...
... auf der
Sie in einer subjektiven Auswahl einiges über das
Spannungsfeld von Politik und Architektur aus der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts erfahren können.
Nachdem
der Inhalt dieser Seite lange Zeit durch die Recherche
zur Diplomarbeit
über den Werdegang meines Großvaters Ferdinand
Keilmann (im Systemwandel des 20.
Jahrhunderts)
dominiert wurde, mit der ich im Mai 2001 an der
Ruhr-Universität Bochum mein Studium der Sozialwissenschaft
abgeschlossen habe, sind die Themenschwerpunkte inzwischen erheblich
breiter geworden und haben sich von seiner Person gelöst.
Keilmann hatte sich während seines Studiums
zwischen 1929 und
1932 in Weimar aufgehalten und seinen eigenen "kleinen" Beitrag zum
dortigen Umschwung zum Nationalsozialismus geleistet, der in
Thüringen bereits 1930 weitgehend vollzogen war... Vor allem
während des 2. Weltkriegs arbeitete er - trotz
wiederum frühzeitiger Abgrenzungstendenzen von der
NSDAP - an einer ganzen Reihe von exponierten und/oder
unerforschten Projekten mit und hatte dabei intensive Kontakte mit
vielen führenden Architekten oder anderen schaffenden
Künstlern dieser Zeit; zu nennen sind hier beispielsweise:
| - |
Ernst
Neufert, bei dem Keilmann studiert hat und auch beschäftigt
war, |
| - |
Kurt
Schmid-Ehmen, der Keilmanns Pläne für das
Aschaffenburger Jägerehrenmal überarbeitete, |
| - |
Herbert
Rimpl, in dessen Privatatelier er am Südbahnhof für
Germania mitarbeitete, |
| - |
Josef
Kaiser, dem Architekten des zweiten Bauabschnitts der
Karl-Marx-Allee, der als Abteilungsleiter in der "Deutschen Akademie
für
Wohnungswesen e.V." tätig war. |
Nach
dem
Krieg wurde Keilmann Stadtbaumeister in Hochbauamt der Stadt Bochum und
prägte durch seine Entwürfe für einer ganzen
Reihe öffentlicher Gebäude das Bild der wieder
aufgebauten Stadt entscheidend mit.
Auf
das Thema "Tunnelbeleuchtung" bin ich im Rahmen meiner
Vortragstätigkeit für das "Germania"-Seminar des
Berliner Unterwelten e.V. gestoßen, als ich an einer
Führung teilnehmen konnte. Bei der Besichtigung der erhaltenen
Fragmente des geplanten Achsenkreuzes im Berliner Tiergarten fielen mir
zwei Deckenleuchten auf, die nicht zu einer Nutzung des Tunnels als
unterirdische Produktionsstätte passen wollten. Das Ergebnis
dieser Forschung finden Sie hier.
Der
Forschung zum Jäger-Ehrenmal
im Aschaffenburger Schöntal - erbaut 1936, abgerissen
1946 - konnte ich anhand der Privatnachlässe von
Ferdinand Keilmann und Kurt Schmid-Ehmen sowie weiterer Informationen
von den Museen der Stadt Aschaffenburg einige neue Erkenntnisse
hinzufügen und Mythen aus der Welt schaffen.
Meine
Dissertation, über
die ich hier verständlicherweise nicht allzusehr in die Details eingehe, beschäftigt sich mit der "Deutschen
Akademie für Wohnungswesen e.V." (DAW), "Forschungsinstitut des
Reichswohnungskommisars
zur Erzielung von Höchstleistungen im Wohnungs- und
Siedlungswesen", in der zwischen 1941 und 1945 wichtige
Anstöße für den Wohnungsbau der
Nachkriegszeit gegeben wurden; zu nennen sind hier beispielsweise die
"Nazifizierung" der "Frankfurter Küche" oder später
die Entwicklung der Trümmerverwertung. Auch in dem noch
relativ unerforschten Bereich des Baustabs der "Deutschen
Arbeitsfront", respektive der zahlreichen Funktionen, die Robert Ley in
sich vereinen konnte, zeichnet sich ein erheblicher inhaltlicher und
personeller Einfluß auf den Nachkriegswohnungsbau in beiden
deutschen Staaten ab. Der in Fachkreisen bereits widerlegten
Mär der "Stunde Null" wird hier ein weiteres Mal anhand von
personellen Kontinuitäten widersprochen, und die
Absurdität und Realitätsferne des untergehenden
nationalsozialistischen Regimes wird deutlich, wenn ab Dezember 1944
zunächst im Auftrag von Ley Behelfsheime aus Stahl(sic!)
entwickelt wurden (bzw. werden sollten), "die nach dem Krieg als
Wohnwagen der KdF-Aktion" eingesetzt werden könnten und fast
zeitgleich - bis April 1945 - als Ersatz für
das "Behelfsheim des Deutschen Wohnungshilfswerks" eine
"Waldhütte" entworfen wurde, welche bei minimalistischem
Materialeinsatz die Wohnungsnot der deutschen Bevölkerung
lindern sollte.
Einige
Entwürfe zum Südbahnhof,
der in den Umgestaltungsplänen
für Berlin unter Albert Speer eine wichtige Rolle
spielte, hat
Keilmann während seiner Tätigkeit im Privatatelier
Rimpl mit nach Hause genommen und somit vor der Vernichtung gerettet.
Diese Zeichnungen boten den Anlass, den Kontext ihrer Entstehung
aufzuarbeiten.
Der
Architekt und Normungsfachmann Ernst Neufert hat sich in seinem beruflichen
Leben neben
seiner erfolgreichen Tätigkeit als Sachbuchautor nicht nur mit
Industriebau und Normierung beschäftigt, sondern war
während des Zweiten Weltkrieges maßgeblich an
Planungen für die behelfsmäßige
Unterbringung von Ausgebombten beteiligt. Seine Entwürfe
für "Behelfsunterkünfte für
Bombengeschädigte" erwiesen sich allerdings als zu
materialaufwendig für das Deutsche Reich nach dem
Überfall auf die Sowjetunion. Hintergrund dieser politisch
hochbrisanten Planungen finden Sie hier.
Der Garten-
und Siedlungsfachmann Wilhelm Heintz,
der
heute
weitgehend aus dem Bewußtsein verschwunden ist,
hatte
zwischen 1935 und 1960 eine bemerkenswerte Reihe an Aufträgen
erteilt bekommen, die es unverständlich erscheinen lassen,
dass er nicht intensiver diskutiert wird. Als Siedlungsfachmann im
Reichsheimstättenamt 1934/35 lernte er Peter Koller, den
späteren Stadtplaner der "Stadt des KdF-Wagens" (Wolfsburg)
kennen; in dieser Zeit war er maßgeblich an der
Gartengestaltung für eine große Zahl von
Siedlungsplanungen der Rüstungsindustrie im gesamten
Reichsgebiet beteiligt. Ab 1936 selbständig in Berlin, plante
für den Architekten Herbert Rimpl die Grünanlagen der
Heinkelwerke in Oranienburg. Anschließend beauftragte ihn
Rimpl, für die "Stadt der Hermann-Göring-Werke"
(Salzgitter) die Generalgrünflächenplanung zu
übernehmen. Mit dieser Aufgabe blieb er der dortigen
Stadtplanung bis in die 60er Jahre verbunden. Ende 1937 erhielt er
einen vergleichbaren Auftrag für Wolfsburg und
schließlich ab 1940/41 auch für die "Stadt der
KdF-Traktorenwerke", dem heutigen Waldbröl. Mit seinen
grundlegenden Untersuchungen des Geländes hat er somit
erheblichen Anteil an dem heutigen Aussehen der beiden erstgenannten
Städte, während die Waldbrölplanungen
über ein Entwurfstadium nicht hinaus kamen.
Als Teilnehmer der
Tagung "Neue
Tradition" vom 5.
Oktober 2007, die den Workshop aus dem
Oktober 2006 fortgesetzt hat, habe ich "Karl Neupert als verhinderten
Stuttgarter
Schüler"
vorgestellt. Neupert hatte als Verehrer von
Heinz Wetzel nie in Stuttgart studiert, sah sich allerdings gegen Ende
des Zweiten Weltkriegs als "Siedlungsbeauftrager des
Reichswohnungskommissars" in der Position, Wetzels
städtebaulichen Grundsätze für der geplanten
Wohnungsbau nach dem Krieg im gesamten Reichsgebiet umzusetzen; der
Kriegsausgang verhinderte verständlicherweise dieses Vorhaben.
Neupert, der nie wieder eine vergleichbare Position erlangen konnte,
hat bis zum Lebensende nicht verwinden können, dass seine
Planungsgrundlagen im demokratischen System nicht durchsetzbar waren.
Die
Bilder sind
größtenteils selbst gemacht oder stammen aus dem
Nachlass von Ferdinand Keilmann, ansonsten ist die Quelle angegeben.
Ich
bin
immer an Informationen über die Deutsche Akademie für
Wohnungswesen e.V. oder einen ihrer Vorgänger sowie
über das Deutsche Wohnungshilfswerk, Behelfsheime, die
Bauhilfe der Deutschen Arbeitsfront oder anderen verwandten Themen
interessiert. Nehmen Sie doch einfach per E-Mail mit mir Kontakt
auf!
Und
nun viel Vergnügen beim Stöbern auf meinen
Seiten - für Kritik (natürlich lieber
positiv als negativ) bin ich immer dankbar.
Arne Keilmann
Dipl. Soz.wiss.
Schillstr. 4
63067 Offenbach am Main
|