Architekturgeschichte
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
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Am 16. September 1964 erschien in der „Welt am Sonntag“ eine Todesanzeige der Deutschen Phillips GmbH für den kurz zuvor verstorbenen Dr.-Ing. Eberhard von der Trappen, welcher „sich mit hervorragendem Fachwissen und mit seiner ganzen Persönlichkeit für das internationale Ansehen unseres Unternehmens auf dem von ihm geleiteten Spezialgebiet“ eingesetzt hatte.[2] In diesem Spezialgebiet, der Beleuchtung im Straßenverkehr, war von der Trappen fast 30 Jahren lang als führender Fachmann anerkanntermaßen tätig gewesen. Von der
Trappen, 1899 in
Dortmund geboren, hatte in Hannover und Dresden Elektrotechnik
studiert. Nach
verschiedenen kurzen Beschäftigungsverhältnissen trat
er 1927 eine Stelle als
Betriebsingenieur bei der „Es muß als
ein uns
Lichttechniker sehr erfreuendes Moment festgestellt werden,
daß sich die
Die hier genannte
Achsenplanung war das Kernstück der
Umgestaltungspläne für Berlin in die
Reichshauptstadt
„Germania“. Der erste – und einfachere
Teil – war die
Fertigstellung der Ost-West-Achse (Kaiserdamm –
Straße des 17.
Juni – Unter den
Linden) im Jahre 1938 mit der Veränderung des Straßenprofils, der Versetzung
der Siegessäule
persönlich stammte und die in ihrer
lichttechnischen Gestaltung durch von der Trappen ausgeführt
wurden. Der
zentrale Bereich der projektierten Nord-Süd-Achse sollte von
der „Halle des
Volkes“ nordwestlich des Reichstags über vier
Kilometer nach Süden durch den
Stadtkörper
geschlagen werden und seinen Abschluß in einem
Südbahnhof in Höhe
der heutigen Papestraße finden.[5]Da
für den Kreuzungsbereich
der beiden Prachtstraßen das Aufstellen von Ampeln als
unangemessen
empfunden wurde,
mußten die Planer des
GBI umfangreiche Straßentunnel planen. Dabei orientierten sie
sich in Breite
und Gefälle an vergleichbaren Bauwerken anderer
europäischer Länder, um diese
in Ausmaß, Gestaltung und Sicherheitsstandards in den
Schatten zu stellen.[6]
Gleiches galt für die Beleuchtung der Tunnel, wie von der
Trappen in dem
bereits erwähnten Vortrag weiter ausführte: „Zu der Beleuchtung
der
Ost-West-Achse und der geplanten Nord-Süd-Achse
gehört auch die Beleuchtung der
Verkehrstunnel, die eine Kreuzung des Verkehrs im Schnittpunkt der
beiden
Achsen ausschließen sollen.“[7] Aus dieser
Planung
folgte eine mehrjährige Versuchs- und
Entwicklungstätigkeit. Als erste
Versuchsstrecke bot sich die neben der Berliner
Humboldt-Universität liegende
nördliche Rampe des Lindentunnels an,[8]
wo auf 100 Meter Länge mit verschiedenen Installationen die
Vorgaben für neu zu
entwickelnde Beleuchtungsgeräte festgelegt werden sollten. Von der
Trappen
hatte zu diesem Zweck fünf Leitsätze formuliert:[9] 1. „Ein Übergang vom Tageslicht vor der Unterführung zu dem künstlichen Licht hinter der Einfahrt darf keinerlei Störung […] des rollenden, schnellen Verkehrs hervorrufen. 2.
Die
Wahrnehmungsmöglichkeiten in der Unterführung
müssen in ihrem gesamten Verlauf
die besten sein und dürfen kein Anlaß zu
Verkehrsunfällen sein. 3. Die
Lichtquellen dürfen […] in keiner Weise
Blenderscheinungen auslösen. 4. Die architektonische Wirkung der Beleuchtung muß vollkommen befriedigen. 5. Die
Beleuchtungsstärke in der Unterführung muß
in Stufen so schaltbar sein, daß
eine Anpassung an die jeweils vor ihr herrschende natürliche
Beleuchtung
erzielt wird.“ Die erste
Versuchsreihe,
bei der die Lichtmessung und technische Dokumentation in den
Händen von
Mitarbeitern der Firma Osram lag, fand – unbeeindruckt vom
beginnenden Zweiten
Weltkrieg – zwischen Zunächst belegte die
AEG
die Versuchsstrecke, wobei deren mit Spiegeln bzw. Nitra-Lampen
ausgestatteten
Geräte nicht den
Vorstellungen von der Trappens entsprachen.[14]
Anschließend
Aus den
halbjährlichen
Berichten von der Trappens an den GBI gehen deutlich die
fortschreitenden
Schwierigkeiten durch die Umstellung auf Kriegswirtschaft hervor. So
wurde
selbst die Anforderung zur Freigabe geringer Mengen an Material (363 kg
Eisen,
22,2 kg Kupfer, 0,9 kg Messing, 18 kg Aluminiumblech) im Oktober 1941
abgelehnt.[16]
Zuvor waren bereits kurzzeitig die Zugänge zum Versuchstunnel
zugemauert
worden; von der Trappen vermutete hinter dieser Aktion eine Anordnung
der
Gestapo.[17]
Weitere Versuche scheiterten nicht zuletzt am fortschreitenden
Fachkräftemangel
durch Einberufungen zum Kriegsdienst. Zum 01.03.1943
ließ der
GBI sämtliche Arbeiten an Umgestaltungsplänen
einstellen, viele der beteiligten
Personen verloren ihren Status der
„UK-Stellung“ [unabkömmlich, d.Verf.],
und
in den Tunnel zog eine unterirdische Rüstungsproduktion ein.
Von der Trappen
trat als Ingenieur in die Organisation Todt ein,[18]
geriet zum Ende
des Krieges in amerikanische Gefangenschaft und arbeitete
anschließend bis zu seinem Tod 1964 bei der Firma PhillipsDie
Suchanfragen an die
Archive der beteiligten Firmen ergaben bislang kaum Hinweise auf die
damaligen Versuche.[19]
Sicherlich sind jedoch die gewonnenen Erkenntnisse durch die
überlebenden
[1]
Dieser Beitrag gibt in
geänderter und komprimierter Form den Inhalt eines
Vortrags vom 22. Juli 2004 im Vortragsraum in der Bunkeranlage
Gesundbrunnen
des Berliner Unterwelten e.V. wieder.
[2]
Welt am Sonntag, 16. September 1964;
daneben findet sich eine zweite
Todesanzeige des Verkehrswissenschaftlichen Seminars Hamburg, bei
welchem von
der Trappen Mitbegründer war; er hatte mit anderen Mitgliedern
des Seminars
noch wenige Stunden vor seinem Tod über künftige
weitere gemeinsame Arbeiten
gesprochen.
[3]
Trappen, Eberhard von der: Der Stand
der öffentlichen Beleuchtung unter
besonderer Berücksichtigung der Praxis der elektrischen
Beleuchtung, Leipzig
1941, S. 6.
[4]
Bundesarchiv Berlin (im folgenden
abgekürzt: BA), R4606 (Bestand des
Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt Berlin)-1393;
von der Trappen
ließ sich den Inhalt seines Vortrages durch den
zuständigen Abteilungsleiter
beim GBI, Hans Stephan, absegnen. Hintergrund war, daß die
Bevölkerung über die
wahren Ausmaße der Umgestaltung möglichst im
Unklaren gelassen werden sollte,
um Fragen zur Finanzierung nicht öffentlich werden zu lassen.
[5]
Die hier genannten Pläne
hätten Berlin erheblich stärker verändert,
als
dies allein durch die Folgen des Bombenkrieges geschehen ist; siehe
hierzu:
Schäche, Reinhard: Von Berlin nach Germania. Über die
Zerstörung der
Reichshauptstadt durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen, Berlin
1985.
Allein durch Räumung von Wohnung in den Umgestaltungsbereichen
hätten ca.
125.000 Menschen ihre Wohnung verloren. Durch die Einleitung von
Abriß und Räumung
wurde der GBI für Berlin zur treibenden Kraft bei der
Deportation von Juden;
siehe dazu jetzt auch: Willems, Susanne: Der entsiedelte Jude. Albert
Speers
Wohnungsmarktpolitik für den Berliner
Hauptsstadtbau, Berlin 2002.
[6]
Stephan, Hans: Die Berliner
Ost-West-Achse nach der Planung des
Generalbauinspektors, in: Speer, Albert (Hrsg.): Die Baukunst, S. 248,
in: Die
Kunst im Dritten Reich, Juni 1939.
[7]
BA, R4606-1393.
[8]
Zu weiteren Informationen
über den Lindentunnel siehe: http://berliner-unterwelten.de/lindentunnel.324.0.html.
[9]
Trappen, Eberhard von der, Stand der
öffentlichen Beleuchtung, a.a.O., S.
57.
[10]
BA, R 4606-1394, Protokoll der 6.
Besprechung am 20.10.1938; die bis zu
diesem Zeitpunkt angefallenen 10.000 RM übernahm die
Haupttiefbauverwaltung.
Als weitere Kostenträger kamen nach Ansicht der Beteiligten
der GBI und der
Generalinspektor für der deutsche Straßenwesen (Dr.
Todt) in Frage; in einer
späteren Besprechung wurde darüber hinaus der kurz
zuvor gegründete Deutsche
Gemeindetag als Geldgeber in Erwägung gezogen.
[11]
BA, R4606-1394; Protokoll der
Besprechung vom 18.10.1938 über die
Besichtigung im Lindentunnel. Die Teilnehmer hatten sich im
„Sonderausschuss
Tunnelbeleuchtung“ organisiert, der zum
„Studienausschuss für öffentliche und
Verkehrsbeleuchtung der DTLG (Deutsche Lichttechnische
Gesellschaft)“ gehörte.
Im „Sonderausschuss Tunnelbeleuchtung“ waren u.a.
Mitarbeiter der Bewag, der
Berliner Tiefbauverwaltung, vom Reichsbahn-Neubauamt und von der
Deutschen
Arbeitsfront (DAF) sowie aus weiteren Organisationen der Beleuchtungs-
und
Verkehrstechnik vertreten.
[12]
Im Rahmen der ersten Versuchsreihe
ging es weniger um die Gestaltung der
einzusetzenden Leuchten, als vielmehr um die Gewinnung von
Erkenntnissen, ob
die gestellten Forderungen an Licht- bzw. Schattenwirkung, Lichtfarbe,
Beleuchtungsverteilung, Vermeidung von Blendung oder Regelbarkeit der
Beleuchtung grundsätzlich erreichbar wären.
Darüber hinaus wurden
grundsätzliche gestalterische Details auf Umsetzbarkeit
überprüft. Hier ist als
Beispiel die Forderung Speers zu nennen, dass die Leuchten in die
Wände
einzulassen seien, um die architektonische Gestaltung der
Tunnelwände nicht zu
stören. Entsprechende
Diskussionen sind
umfangreich dokumentiert in: BA, R 4606-1394.
[13]Präsentiert wurde die 10. von 11
Versuchsanordnungen, da der
Beleuchtungsverlauf hier die geringste Abweichung von der Ideallinie
zeigte.
[14]
R4606-1395; Schreiben von der
Trappens an die AEG-Beleuchtungskörper GmbH
vom 6. Juni und vom 8. Juli 1940.
[15]
Ebd.; Aktenvermerk vom 12. Juni 1941
über eine Besprechung zwischen von
der Trappen sowie Mitarbeitern der SSW und der Bewag. Der Aktenvermerk
nimmt
bezug auf die Art der Beleuchtung, die in den Lichtkästen der
SSW eingebaut
war: es handelte sich hier um eine Mischbeleuchtung aus
Glühlampen und
Leuchtstofflampen.
[16]
Ebd.; Schreiben von der Trappens an
den GBI vom 3.10.1941; aufgrund der
ebenfalls hier vorliegenden späteren
Tätigkeitsberichte ist ersichtlich, daß
die angeforderten Metallkontingente nicht zugeteilt wurden.
[17]
Ebd.; Schreiben von der Trappens an den GBI
vom 13.8.1941.
[18]
Die Organisation Todt (OT) war
für die Durchführung von Bauvorhaben für
Rüstung, Luftschutz und Nachschubwesen im
gesamten Reichsgebiet und den besetzten Ländern
zuständig; so sind z.B. die
Bunkerbauwerke von Hitlers Führerhauptquartieren und die
Küstenverteidigungsanlagen in der Normandie und in
Dänemark von der OT erstellt
worden. Nach Angaben der Tochter von der Trappens war er in der Zeit
bei der OT
an der Errichtung des Wasserkraftwerks Kaprun in Österreich
beteiligt.
[19]
Das Archiv der Firma Osram, die ja
ausschließlich die Dokumentation der
ersten Versuchsreihe durchgeführt hat, liegt noch relativ
unerschlossen im
Berliner Landesarchiv und wartet noch auf eine intensive Sichtung; die
Firma
Hellux besitzt vermutlich noch die technischen Datenblätter
über alle dort
entwikkelten Leuchten – eine Antwort steht aus. Sicher ist,
dass weder bei
Siemens noch bei Zeiss Ikon und bei AEG Hinweise auf die damalige
Entwicklungstätigkeit zu finden sind.
[20]
Die beiden Leuchten befinden sich in
Absprache mit dem Deutschen
Technikmuseum Berlin zur Zeit noch im Unterweltenmuseum im U-Bahnhof
Gesundbrunnen; die Recherche zu einzelnen konstruktiven Details ist
noch nicht
abgeschlossen. Für
die Zukunft ist
gegebenenfalls die Restaurierung einer der beiden Leuchten vorgesehen.
Darüber
hinaus besteht Kontakt zum Siemens-Archiv in München, um
anhand der dort
vorhandenen Unterlagen eine wissenschaftliche Dokumentiation
über die
technische Entwicklung des Lindentunnels durchzuführen.
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| "Jene, die nichts aus der Geschichte lernen, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen." | ||
| George Santayana (1863 - 1952) | ||